Lost Place

Es ist schwierig, Lost Places zu finden, da sie in der Regel in keinem Reiseführer gelistet sind. Dass die Adresse geheimgehalten wird, hat einen guten Grund: Immer wieder werden Lost Places mutwillig zerstört. Lost Place Besucher sehen es als ihre heilige Pflicht, den Ort nicht zu verändern, sodass man die „Schönheit des Zerfalls“ in aller Ruhe bestaunen kann – ohne Eingriffe des Menschen.

Das Credo der Lost Place Sucher und Besucher lautet daher „Nimm nichts mit außer Fotos, lasse nichts zurück außer Fußspuren“. Ganz wichtig ist das Verbot, Dinge von Lost Places mitzunehmen.

Auf Wikipedia trifft die Beschreibung eines „Lost Place“ ziemlich genau den Punkt an dem der Ballermann sich heute befindet. Der Ort, der als Erinnerung voller Glücksgefühle genau so wie Abscheu als Ballermann in den Köpfen der Menschen hängengeblieben ist:

Meistens handelt es sich um Bauwerke aus der jüngeren Geschichte, die entweder noch nicht historisch aufgearbeitet (bzw. erfasst) worden sind oder aufgrund ihrer geringen Bedeutung kein allgemeines Interesse finden und daher nicht als besonders erwähnenswert gelten. […] Die eigentliche Bezeichnung gilt aber für jedweden Ort, der im Kontext seiner ursprünglichen Nutzung in Vergessenheit geraten ist. […]

Die Faszination dieser Orte, die „nicht als Spektakel entworfen wurden“, […] liegt aber genau in dieser Ursprünglichkeit und der fehlenden (touristischen) Erschließung, die dem Besucher die Möglichkeit bietet, selbst auf „Entdeckungsreise“ zu gehen und dabei Geschichte individuell und hautnah erleben zu können. Auf der anderen Seite birgt diese Eigenart der Plätze auch manchmal unterschätzte Gefahren. Des Weiteren ist das Betreten solcher Orte selten rechtlich eindeutig geregelt, weshalb Besucher von Lost Places auch zuweilen lieber anonym agieren.

Oft wird die Beschäftigung mit Lost Places gleichgesetzt mit moderner Schatzsuche oder auch dem Sammeln von Militaria bzw. Munition. Das ist eine zu kurz greifende Verallgemeinerung. Für viele Menschen, die sich mit den vergessenen Orten beschäftigen, ist dies eine ernsthafte Form von Heimatgeschichte. Im Internet gibt es mittlerweile zahlreiche Dokumentationen derartiger Orte. Für andere steht das emotionale Erlebnis, wie es in der Psychogeografie untersucht wird, im Vordergrund. In der Aktfotografie gibt es ein eigenes Genre Lost Places, wo in solchen Gebäuden Aufnahmen gemacht werden. Als Begründung wird oft genannt, dass so eine Spannung zwischen dem Morbiden/Verfallenen und den oft jungen Modellen erzeugt wird. Aber auch die Lost Places selbst können zum zentralen Thema von Fotografie werden, wie dies bei der Ruinen-Fotografie der Fall ist.

Wikipedia

So ist es auch am Ballermann: Ohne die vielen Menschen wirkt der Ort grotesk, auf eine brutale Art entzaubert, enttarnt als billige Fassade eines verlassenen Freizeitparks. Vermutlich einer der neuesten „Lost Places“. Die Ansichten vom verwaisten Paradies wirken wie Tatortfotos. Als sei hier etwas geschehen, was man sich beim Anblick der verschlossenen Amüsierbetriebe nicht mehr erklären kann.

Es gibt vielleicht keinen besseren Zeitpunkt für einen ersten Besuch am Ballermann als den Sommer 2020 um den Lost Place zu finden. Hier zeigt sich gerade jetzt der besondere Reiz. Der Reiz des Verfalls. Durch das Panorama vergangener Ereignisse, die fast noch in der Luft liegen wird dieser „Lost Place“ zum mystischen Ort. Man möchte sich betroffen abwenden und muss doch hinsehen. Entstanden sind Fotos einer stillgelegten Ära.

Ballermann auf Mallorca der vermutlich neueste „Lost Place“ of the world. Dabei ist Ballermann gar kein Ort. Ballermann ist ein Gefühl. Also ist der Ballermann, so wie wir ihn kannten eigentlich ein „Lost Feel“.